Was sind eigentlich Vitamine?

Kaum etwas, das wir zu uns nehmen, wird so sehr diskutiert wie Vitamine…
Daß man Vitamine braucht, steht außer Frage. Populärstes Beispiel: Seeleute in frühen Jahren starben an innerer Verblutung, Skorbut, da sie über Monate nichts Frisches zu sich nehmen konnten und so keine Vitamine, vor allem kein Vitamin C mehr in ihrem Körper hatten.

Aber die eigentliche Diskussion entstand erst, seit unsere Nahrung so an Gehalt verlor, so daß über die Nahrung nicht mehr genügend Vitamine verfügbar waren. So wurden Vitamine in Pillenform verpackt. Einige Pharmamonopolisten haben die Massenproduktion von chemischen Präparaten ins Leben gerufen, die heute in jedem Drogeriemarkt neben den Diabetiker-Riegeln stehen. Oft ergibt sich einem das in frühen Jahren geprägte Bild der Juteleute, die ihre Körnchen im Reformhaus kaufen, sich ihre Haare nach dem Mondkalender schneiden und etwas weit ab von der Gesellschaft leben, wenn man an einen “Vitaminkonsumenten” denkt – obgleich sich der Personenkreis mittlerweile vom Manager bis zur Hausfrau erstreckt.

Gegner wiederum stellen sich vehement gegen die finanziellen Verlust bringende Welle der Alternativmedizin, so daß sie, zum Teil “fachlich gestärkt”, das Gerücht in die Welt werfen, die sündteuren Präparate würden nicht verdaut, geschweige denn überhaupt vom Körper aufgenommen oder sie würden Schäden verursachen.

Selbst eine in Deutschland führende Zeitung mußte sich in Ihrem Artikel über die Erbgutschädigung durch Vitamin C in den eigenen Schwanz beißen (Juni 2001), als sie eben diesen frisch entdeckten Sachverhalt verriet. Daß aber die Erbgutschädigung nur in Zusammenhang mit dem Mangel eines bestimmten Trägerstoffes auftrat, und dieser Mangel wiederum durch den Mangel an Vitaminen hervorgerufen wird, mußte der Verleger im darauffolgenden Absatz zugeben. Ein einziger Kreisverkehr.

Was ist ein Vitamin?

Interessant ist die Herkunft des Wortes “Vitamin”
Aus Merriam Webster´s College Dictionary: vitamine : Latein vita = life; ( von zwei- =”leben” ) + amine (wurden “Vit-Amine” genannt, weil man ursprünglich dachte, sie seinen Amine).

Wahrig РDeutsches W̦rterbuch:

Vit·amin, Vit·a·min, auch Vi·ta·min: meist von Pflanzen gebildeter Wirkstoff, der für Tiere u. Menschen zur Steuerung bestimmter organ. Prozesse benötigt wird; Vitamin B ‹fig.; umg.; scherzh.›: einflussreiche Beziehungen; um diese Stelle zu bekommen, brauchst du Vitamin B [«lat. vita „Leben“ + Amin; B steht scherzh. als Abk. für Beziehungen]Amin: basisch reagierendes Derivat des Ammoniaks,[...] [nach den beiden ersten Buchstaben von Ammoniak]
Am·mo·ni’ak: farbloses, stechend riechendes Gas, chem. Formel NH [«grch. ammoniakon, nach einer Pflanze, die in der Nähe des dem Jupiter Ammon geweihten Tempels in der Oase Siwa (in der Antike Ammonione) in Libyen wuchs]

Das Wort Ernährung bedeutet im Grunde, “Der Prozess, sich zu ernähren bzw. ernährt zu werden, besonders der Vorgang, wodurch ein lebender Organismus Essen zu sich nimmt und für sich brauchbar macht und es für Wachstum und Ersatz von Körpergewebe braucht.”

Im Jahre 1747 versuchte ein Arzt der Britischen Armee herauszufinden, was den Tod von vielen Seefahrern aufgrund von Skorbut verursachte. Er gab einigen Meerwasser zu trinken, anderen Essig und weiteren Limonen. Letztere waren diejenigen, die die Reisen überlebten. Daß Vitamin C der entscheidende Faktor in diesem Vorgang war, wußte Mr. Lind nicht, die englischen Matrosen trugen jedoch den Spitznamen “Limeys” davon (von engl. Lime= Limone, Limette).
Anfang des 19. Jhs, dem chemischen Zeitalter, als aus Alchimisten richtige Wissenschaftler wurden, fand man heraus, daß unsere Nahrung haupsächlich aus den vier Elementen Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff besteht.

1912 – Dr. Casmir Funk hat als erster den Begriff “Vitamin” als wichtigen Ernährungsfaktor geprägt. Da sie nunmehr lebensnotwendig waren – oder man das herausisoliert hatte, was Mangelerscheinungen hervorrief, die nicht selten tödlich endeten – konnte man beginnen, gezielt zu vitaminieren. Wenig später entdeckte William Rose die essentiellen Aminosäuren, einen weiteren wichtigen Bestandteil unseres Essens.

In den neunziger Jahren hat die zentrale Stelle für Ernährung der Vereinigten Staaten, die FDA, offizielle Richtlinien herausgegeben, die nun grob gesagt verbieten, daß Vitamine als Heilmittel für Krankheiten angepriesen werden. Wenngleich sie Heilmittel sein könnten, und es schon oft waren, ist es nicht ihr Zweck. Wie gesagt wurde schon früh entdeckt, daß Vitaminmangel erst bestimmte Krankheiten auslöste. Vitamine sind nichts weiter als ein Teil unserer Ernährung. Erst die Tatsache, daß ausgelaugte Böden und der Anbau von Gemüse in Gewächshäusern ohne die Zufuhr irgendwelcher Mineralstoffe aus der Erde (die die Pflanze durch chemische Prozesse erst für uns verwertbar macht, und den grundlegenden Wert der Nahrung darstellt), machte es nötig, daß man nicht mehr das zu sich nimmt, was einen gesund erhält.

Einmal ganz zu schweigen vom Konsum von Cola und Fritten, von Gummibärchen und Schokolade. Wer nun einen Schritt weiter denkt, als es die Meisten tun, wird feststellen, daß Vitamine als unverdaulich geschmäht werden, wohingegen Schokoriegel, Chips und koffeinhaltiges Zuckerwasser jedem Magen ohne weiteres zugemutet, schlichtweg von der Werbung aufgedrängt werden.

Ja, das Etikett gesteht diesem Plastikbrei gar einen nahrhaften Inhalt zu.
Der menschliche Körper selbst ist nicht in der Lage, Vitamine selbst herzustellen. Im Gegensatz zu Enzymen, die ein zellulares Produkt sind, müssen Vitamine dem Körper zugeführt werden. Dort werden sie zumeist in “Coenzyme” umgewandelt. Der Prozess, der nun stattfindet, ist der sog. “Donor-Akzeptor-Austausch”, sozusagen der Tausch von einem Atom von diesem zu jenem Molekül, ein wichtiger Prozess zur Energielagerung.
Coenzyme sind notwendig für Enzyme, diejenigen Proteine, die unser Essen verwerten.